Insolvenzen 2018 - ein Vergleich der Zahlen von Creditreform und Destatis

Jetzt hat auch das Statistische Bundesamt die Zahlen zur Insolvenzentwicklung im ersten Halbjahr 2018 vorgelegt (12.09.18). Die Creditreform Wirtschaftsforschung war – wie immer – schneller: Mit einer Schätzung zum Ende des Halbjahres konnten wir Zahlen zur Entwicklung in Deutschland bereits am 27.06.18 publizieren. Die Ergebnisse sind in ihrer Abweichung zu den offiziellen Zahlen und mit dem Prognosezeitraum von einer Woche denkbar gering. Beide Institutionen sind zum selben Ergebnis gekommen: Der Insolvenzrückgang setzt sich auch in den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 fort. Creditreform registrierte eine Abschwächung um 3,3 Prozent auf 9.900 Fälle (Destatis: 9.968 Unternehmensinsolvenzen).

Bei dieser positiven Nachricht bleibt dennoch festzuhalten, dass sich der Rückgang bei den Unternehmensinsolvenzen abschwächte. In den Vorjahren lag er noch bei rund 5 Prozent. Positiver entwickelten sich die Verbraucherinsolvenzen, die einen weiteren Rückgang um 4,9 Prozent auf 34.300 betroffene Konsumenten erfuhren. Die Zahl der sonstigen Insolvenzen sank im Berichtszeitraum auf 11.900 Fälle – ein nur unwesentlicher Rückgang um 0,8 Prozent. Wie bereits in einem der Risikomanagement-Newsletter erwähnt, finden sich unter den sonstigen Insolvenzen auch viele kleine Selbstständige.

Noch stimmt die Richtung

Die gute Insolvenzentwicklung ist Ausdruck der aktuell hervorragenden Rahmenbedingungen. Das Bruttoinlandsprodukt als allgemeiner Ausdruck des Gesamtkonjunkturgeschehens nahm weiter zu und auch die Finanzierungsbedingungen erlaubten es den Unternehmen, Umsätze und Forderungen vorzufinanzieren. Für die positive Situation bei den Verbraucherinsolvenzen sind nicht zuletzt auch die Lohneinkommen eine Ursache – konnte man doch ein Plus beim Einkommen von 2,5 Prozent nominal im Jahr 2017 verzeichnen.

Ein Wermutstropfen ist bei den guten Nachrichten dennoch hinzunehmen: Die Insolvenzschäden für die Gläubiger lagen höher als zuletzt. Nach Berechnungen von Creditreform belief sich das im Feuer stehende Forderungsvolumen auf rund 15,5 Milliarden Euro – im ersten Halbjahr 2017 waren es noch 13,0 Mrd. Euro gewesen, das entspricht einem Plus von 19,2 Prozent. Auch das Statistische Bundesamt spricht davon, dass sich die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger aus beantragten Unternehmensinsolvenzen nach Angaben der Amtsgerichte auf rund 13,1 Mrd. Euro summieren würden. Im ersten Halbjahr 2017 sprach das Amt noch von 9,4 Mrd. Euro Schäden bei den Gläubigern. Die Zunahme ist auf einen Großteil von Gläubigerschäden bei älteren und größeren Unternehmen zurückzuführen. Bei der von Creditreform höheren ausgewiesenen Schadenssumme ist anzumerken, dass Creditreform auch die Forderungen schätzt, die von den Gläubigern beim Amtsgericht nicht geltend gemacht werden (Insolvenz-Gläubigerliste). Gleichzeitig können allerdings Gläubigerforderungen im Verlauf des Insolvenzverfahrens doch noch zumindest teilweise befriedigt werden. In den meisten Fällen jedoch werden die Gläubiger leer ausgehen, Befriedigungsquoten von 2 bis 3 Prozent der Forderung sind die Regel.

Mancher Arbeitsplatz kann noch gerettet werden

Durchaus Abweichungen gibt es zwischen Creditreform und Destatis bei der Zahl der betroffenen Arbeitsplätze im Zusammenhang mit Unternehmensinsolvenzen. Dabei weisen die Zahlen zur Schadensentwicklung auch für die Arbeitsplätze die Richtung: Wirtschaftlich bedeutendere Firmen sind betroffen und damit auch mehr Arbeitnehmer. Während aber das Bundesamt für das erste Halbjahr 2018 von gut 60.000 Mitarbeitern von Pleiteunternehmen spricht, nennt Creditreform 120.000 Arbeitsplätze. Damit werden nach Berechnungen von Creditreform fast 20 Prozent mehr Arbeitnehmer vom Verlust ihres Arbeitsplatzes bedroht als 2017. Die unterschiedlichen Aussagen zur absoluten Zahl der betroffenen Arbeitsplätze ergeben sich aus einem unterschiedlichen Ansatz. Creditreform nimmt die Zahl der Mitarbeiter eines Unternehmens vor Insolvenzantrag als Maßstab, während Destatis auf die Zeit nach dem Insolvenzantrag und mit der Zahlung von Insolvenzgeld für die Arbeitnehmer rechnet. Uns erscheint die höhere Zahl angemessen, weil in vielen Fällen bereits Arbeitnehmer ein Unternehmen in der Schieflage frühzeitig verlassen. Außerdem sind Arbeitsplätze betroffen, die aber keinen Anspruch auf Insolvenzgeld stellen können.

Creditreform hat die detaillierteren Informationen

Die Veröffentlichung des statistischen Bundesamts weist nur sehr grob die Altersstruktur der Insolvenzunternehmen auf (bis drei Jahre, bis acht Jahre sowie acht Jahre und älter). Creditreform stellt ein Raster von Altersklassen im Zweijahresabstand zur Verfügung, dass bei zehn Jahren und älter endet. Hier zeigt sich deutlich, dass ein Anwachsen der betroffenen Unternehmen in der höheren Altersklasse von 9 bis 10 Jahre und älter von rund plus 2 Prozent nachzuweisen ist – ein weiterer Hinweis darauf, dass die Betriebe also älter und in vielen Fällen deshalb auch größer gewesen sind.

Auf der Basis der Auskunftserteilung kann die Creditreform Wirtschaftsforschung auch Angaben zu den Umsatzgrößenklassen im Unternehmensinsolvenzgeschehen machen. Auch hier findet sich – neben Alter, Schadenshöhe und betroffenen Arbeitnehmern – ein weiterer Hinweis darauf, dass sich das Insolvenzgeschehen am aktuellen Rand hin zu größeren Unternehmen bewegt. So sind im ersten Halbjahr 2018 deutlich mehr (66,7 Prozent) große Unternehmen mit mehr als 50 Mio. Euro Umsatz angesiedelt. Dagegen haben kleine Betriebe mit höchstens 250.000 Euro Jahresumsatz ihren Anteil am Insolvenzaufkommen verringert.

© 2019 Creditreform Frankfurt (Main) Emil Vogt KG

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